Die Lebensphase der Jugend ist insbesondere bei Jungen gekennzeichnet von einem Aufbrechen von großen Kräften, die aber eine klare
Form benötigen, damit sie in angemessener Weise gelebt werden können. Häufige Konfliktthemen, die den Aspekt der aufbrechenden Kraft betreffen, sind der Umgang mit Gewalt, Aggression und Destruktion. Genau
dies sind Themen, die über die Schwertarbeit direkt zugänglich sind. Das Erarbeiten eines verantwortlichen Umgangs mit der eigenen Kraft steht hierbei im Vordergrund. So dürfen in diesen Übungen die
Schwerter in klar vorgegebenen Formen in unterschiedlichen Stärken zusammengeschlagen werden. Der Jugendliche lernt sich in seiner Kraft kennen. Er darf seine Kraft unter Anleitung und ohne negative Folgen
ausprobieren. Er lernt seine Kraft in eine Form zu bringen, seinen Krafteinsatz zu dosieren und in die eigene Verantwortung zu nehmen. Ein
zweiter sehr wichtiger Themenkomplex in der Jugendlichenzeit ist die Entwicklung einer eigenen Identität und eines natürlich gefestigten Selbstbewusstseins. Der Jugendliche, der langsam der Geborgenheit des
Kindseins entwächst, muss seinen Stand in der Welt unter Gleichaltrigen und auch in Bezug zu den Erwachsenen finden. Das Heranbilden eines angemessenen Selbsvertrauens ist dafür essentiell wichtig. Wo dies
nicht gelingt, kommt es zu allerlei Fehlentwicklungen, Worten oder Taten des Auf-sich-aufmerksam-Machens, der Angeberei, der Destruktion oder auf der anderen Seite die Flucht in Alkohol, Drogen oder andere
Abhängigkeiten. Diese Entwicklung eines gefestigten Selbstvertrauens ist daher ein wichtiger Aspekt in der Arbeit mit Jugendlichen. Für eher ängstliche Jungen und für viele Mädchen diesen
Alters - letzter finden sich oft in der Rolle der Schwächeren wieder - stellen die Übungen mit dem Schwert eine ideale Möglichkeit dar, Zutrauen zu sich zu erfahren und Mut, die eigene Kraft einzusetzen, zu
entwickeln. Eine wichtige Rolle für das Gelingen dieses entwicklungsfördernden und erfahrungsorientierten Ansatzes spielt das Faktum, dass das Umgehen mit einem Schwert den Jugendlichen in den meisten
Fällen sehr anspricht, was einen entscheidenden Einfluss auf seine Motivation und damit auf die Wirksamkeit der gesamten Arbeit hat. Die Schwertarbeit bietet ein geeignetes, weil sehr konkretes
Instrumentarium für die Erarbeitung der beschriebenen seelischen Fähigkeiten. Es wird in der Schwertarbeit darauf zugearbeitet, dass die Konfliktpunkte des alltäglichen Lebens reifer und verantwortungsbewusster bewältigt werden können.
Ein sehr treffender Ausspruch eines Jugendlichen mag hier bezeichnend sein: "Wenn ich Schwertarbeit gemacht habe, dann bin ich danach nicht mehr so aggressiv und zugleich viel
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